Harmonisierung der europäischen Regeln für den Betrieb von Drohnen

EASA proposal
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Im Sommer 2017 haben wir bereits über den Antritt der European Aviation Safety Agency (EASA) berichtet, harmonisierte Regularien für den Betrieb von Drohnen in Europa zu entwickeln. Mit der neuen EASA Opinion No 01/2018 nimmt dieses Vorhaben nun immer mehr Gestalt an, der Entwurf liegt der Europäischen Kommission zur Verabschiedung vor. Es lohnt sich also einen genaueren Blick auf das zukünftige europäische Drohnen-Ökosystem und auf die daraus resultierenden Veränderungen für Ihren privaten oder professionellen Flug zu werfen.

Die drei EASA-Kategorien

In erster Linie unterteilt die EASA den Betrieb in drei Kategorien: Open, Specific und Certified. Wie der Name der letzten Kategorie vermuten lässt, werden in Certified voraussichtlich Anforderungen ähnlich zu denen der heutigen bemannten Luftfahrt gestellt, das heißt Unternehmen, Personal und Fluggerät bedürfen einer aufwändigen luftfahrttechnischen Zertifizierung. Wirklich interessant sind also vielmehr die neuen Regelungen für die Kategorien Open und Specific, denn insbesondere der Betrieb kleiner Drohnen unter 25 kg wird vorrangig darin stattfinden.

EASA Kategorien A1 fly over people, A2 fly close to people und A3 fly far from people
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Regelwerk der Kategorie Open

Ebenso wie die deutsche Luftverkehrs-Ordnung sehen auch die zu erwartenden europäischen Regularien vor, dass Drohnenflüge unter Einhaltung bestimmter Vorgaben ohne behördliche Genehmigung möglich sind. Dazu gehört vor allem der Betrieb in Sichtweite und bis zu einer maximalen Flughöhe von 120 m über Grund. Weitere Anforderungen für Pilot und Drohne ergeben sich aus den neuen Unterkategorien A1 bis A3, die sich am Risiko des Drohnenbetriebs für Menschen am Boden bemessen.

Vereinfacht lässt es sich für Piloten wie folgt zusammenfassen: Je höher das Risiko für Dritte am Boden, desto besser muss der Pilot geschult sein. Dafür sieht die EASA zwei aufeinander aufbauende Kompetenztests vor.

die Kategorie EASA C1 für die Herstellung sicherer Drohnen
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Für Drohnen gilt der Grundsatz analog. Je höher das betriebliche Risiko, desto stringenter sind die technischen Anforderungen an das Produkt, wie zum Beispiel bezüglich des maximalen Startgewichts, der mechanischen Festigkeit oder programmierbarer Fluglimitationen. Damit dem Piloten klar ist, welche Drohne in welcher Unterkategorie geflogen werden darf, wird in fünf UAS-Klassen (C0 bis C4) unterteilt. Die Hersteller sind dazu veranlasst, ihre Drohnen mit der entsprechenden UAS-Klasse zu labeln. Genauere Informationen können der Tabelle entnommen werden.

Unterkategorie A1

In Unterkategorie A1 ist es erlaubt, Drohnen über unbeteiligten Menschen, jedoch keinen Menschenansammlungen, zu fliegen. Deshalb darf bei einer Kollision zwischen Mensch und Drohne nicht mehr als 80 Joule kinetische Energie auftreten. Die 80 Joule gelten nach EASA als akzeptierter Grenzwert, unter welchem eine Drohne beim Zusammenstoß mit einem Menschen keine tödlichen Verletzungen hervorruft. Da dieser Grenzwert der kinetischen Energie abhängig ist von Gewicht und Geschwindigkeit der Drohne, gilt hier ein maximales Startgewicht von 900 g und eine maximale Fluggeschwindigkeit von 19 m/s. Um in dieser Unterkategorie fliegen zu dürfen, müssen Piloten ein Online-Training mit anschließendem Online-Test absolvieren, sofern die Drohne über 250 g wiegt.

Unterkategorie A2

In Unterkategorie A2 dürfen Drohnen bis 4 Kilogramm mit einem Sicherheitsabstand zu unbeteiligten Menschen geflogen werden. Als Grundsatz hat sich auch auf europäischer Ebene die 1:1-Regel durchgesetzt, d.h. die Flughöhe darf maximal so groß sein, wie die horizontale Entfernung zu Dritten am Boden. Als minimaler horizontaler Sicherheitsabstand hat die EASA diesbezüglich 50 m festgelegt. Es sei denn, die Drohne verfügt über einen Low-Speed Modus, den der Pilot aktivieren kann, um die Maximalgeschwindigkeit auf 3 m/s zu reduzieren.

zeigt die EASA-Regel von 1: 1 für Menschen und Drohnen
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Dadurch steht dem Piloten ausreichend Reaktionszeit zur Verfügung, um die Flugbahn zu verändern, falls die Drohne auf Menschen zufliegt. Mit dem aktivierten Low-Speed Modus sinkt der minimale horizontale Sicherheitsabstand auf 5m. Durch das höhere erlaubte Startgewicht im Vergleich zur Unterkategorie A1 müssen Piloten hier zusätzlich zum Online-Test einen theoretischen Test absolvieren, der tiefergehendes Wissen abfragt.

Unterkategorie A3

In Unterkategorie A3 dürfen Drohnen bis 25 Kilogramm nur dort geflogen werden, wo keine unbeteiligten Menschen gefährdet werden können. Das bedeutet vorrangig außerhalb von Ortschaften oder auf Modellflugplätzen. Piloten müssen analog zu Unterkategorie A1 einen Online-Test absolvieren.

Kategorie Specific

Sobald eine geplante Mission die zuvor genannten Regeln oder Anforderungen in Open nicht erfüllt, fällt der Betrieb unter die Kategorie Specific. Folglich muss eine Aufstiegs- bzw. Betriebsgenehmigung bei der zuständigen Luftfahrtbehörde eingeholt werden. Im Zuge des Genehmigungsverfahrens muss der Drohnenbetreiber eine Risikobewertung durchführen, um zu zeigen, dass die geplante Mission ausreichend sicher für Menschen am Boden oder andere Luftfahrtteilnehmer ist. In Deutschland gilt SORA-GER, veröffentlicht mit der NfL 1-1163-17, als Richtlinie für ein solches vereinfachtes Risikobewertungsverfahren.

Registrierungspflicht

Jeder Pilot beziehungsweise jedes Unternehmen, das eine oder mehrere Drohnen mit einem Startgewicht über 250 g betreibt, muss sich online als Drohnen-Operator registrieren. Im Zuge der Registrierung wird dann eine Registrierungsnummer generiert, die per Kennzeichnungsplakette auf jeder betriebenen Drohne angebracht werden muss. Im Vergleich zum US-amerikanischen Registrierungssystem der Federal Aviation Administration (FAA) tritt dabei eine Erleichterung auf: Für Drohnen entfällt die Registrierungspflicht. Für sie soll eine eindeutige elektronische Identität (e-identification) auf Basis der jeweiligen Hersteller-Seriennummern geben.

Wann kommt das Regelwerk?

Auch wenn nicht immer ganz aussagekräftig, sieht der Zeitplan der EASA eine Verabschiedung des neuen Regelwerks um den Jahreswechsel 2018/19 vor.

EASA timeline for proposal

Abschlussbemerkung

Bitte beachten Sie: Die oben aufgeführten Hinweise entsprechen unserer Interpretation der Veröffentlichung und stellen keine rechtsverbindliche Aussage dar. Alle wichtigen Details finden Sie in der Originalkopie in englischer Sprache unter: https://www.easa.europa.eu/document-library/opinions/opinion-012018